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Ein offener Brief an das weihnachtlich gestimmte Volk

Guten Tag.
Ihr kennt mich sicherlich alle, ihr alle freut euch wenn ich Weihnachten mit dem dicken Sack umher schlittere.
Meine Rentiere sind mein Motor, allen voran der berüchtigte Rudolph. Ein ausgestoßener Alkoholiker ist er, er trinkt solange bis seine Nase rot wird und leuchtet. Dies ist natürlich klar von Vorteil, so sehe ich alles, aber anderseits komme ich selten ohne Umwege an.

Ich bin seit circa den 30er Jahren so wie ich bin. Vielleicht gab es mich vorher schon, aber erst da wurde ich auf Grund von Werbezwecken erschaffen, durch eine Firma, die ich hier noch öfter erwähnen werde. Mich gab es aber schon vorher, obwohl diese Firma sich gerne damit brüstet mich erfunden zu haben. Naja, wirft ja wenigstens ein gutes Licht auf die Firma, dessen Schatten sich so oft in Kritik verfängt. Die meisten Menschen sind zu ignorant zum kritisieren, sie haben zu sehr mit ihren eigenen kleinen Problemen zu tun oder mit denen der Nachbarn.
Ich sterbe so schnell nicht, eher stirbt das Christkind oder Jesus in dem Gedankengut der Menschen. Was, ja, ein wenig befremdlich wirken kann, denke ich mir. Aber das stört wohl niemanden nur ein paar wenige Christen die sich aber am 24. des letzten Monats im Jahr, vom Prediger hinter den Spiegel führen lassen.
Ich habe hier Tausende von Briefen an Santa Claus, den Weihnachtsmann oder wie auch immer. Ich sitze hier an meinem rustikalen Schreibtisch, auf dem sich Papiere häufen, als hätte ich vor einen riesengroßen Turm zu bauen oder in Papier zu schwimmen. Ich könnte jetzt einen beliebigen Brief nehmen, ihn öffnen und darin würde stehen:
Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir zu Weihnachten die neuste Konsole der großen Spiele Hersteller aus Japan, für dessen Herstellung japanische Arbeiter geknechtet und dessen Erfinder steinreich werden.
Oder auch:
Lieber Weihnachtsmann - geschrieben auf rosa Papier, in schöner Schreibschrift und einparfümiert - ich war das ganze Jahr über lieb (glaubt die kleine Verfasserin wohl oft selber nicht, aber nun gut) und ich wünsche mir eine Plastikfrau und einen Plastikmann in einer Riesenvilla (auch aus Plastik).
Es ist immer das gleiche.
Backen muss ich irgendein komisches Gebäck, auf das zu viel Zimt gekleistert wird - nicht zu vergessen den Weihnachtsbraten, die leckerste Leiche des Jahres.
Sehr schön ist die Tradition um mich und den Herren Jesus (der sooft vergessen wird) und der Glaube an ihn, der in der Moderne, aus manchen nachvollziehbaren Gründen, auch nachgelassen hat.
Wenn jedes Jahr um den letzten Monat rum ganze Wälder abgeholzt und in die Wohnzimmer transportiert werden (naja, nicht immer schlecht, dass es Plastik gibt) dann ist es wieder soweit.
Alles leuchtet. Vögel sind wieder irritierter als sonst und kommen nicht zum Geschlechtsakt (der nicht nur bei Vögeln sehr beliebt ist), weil sie sich vor lauter Helligkeit nicht mehr orientieren können. Wundern tun sich trotzdem alle früher oder später(die meisten später), warum denn die Natur ihr Gleichgewicht verliert. Vielleicht weil das Doppelte oder Dreifache an Energie und all dem Zeug rundum Weihanachten verschwendet wird, auf dem kleinen blauen Planeten? Oder nicht?

Vielleicht irr ich mich da ja gewaltig, so wie ich mich vielleicht auch daran irre, dass sich mit den hell leuchtenden, glitzernden Lichtern auch die Atmosphäre der Menschen ändert. Wer verfeindet ist wird auf einmal ein wenig freundlicher, sobald er den ‚Feind' sieht, ja, manchmal kommt es sogar zu Versöhnungen, die aber nicht besonders lange halten. Weihnachten ist wie ein Make-up, das sich auf Menschen legt.
Und hier sitze ich, vor meinen Schreibtisch, über dem eine große Galerie gemalter Bilder eines Riesenkonzerns hängt, auf denen ich jedes Jahr in neuer Pose (mit Getränk der Firma) abgelichtet werde.
Ich bin in der Klemme. Sie erdrückt mich, zerquetscht mich, pumpt mich aus und ich kotze den Menschen Zufriedenheit auf den Teller mit der Weihnachtsgans. Zum genießen gibt ´s noch ein Gläschen der besagten, aber nicht betitelten Company.
Ich verspüre auch Frust und Wut und die Wut wird grade ausgekotzt. Ich wurde durch Konzerne ein Hampelmann, eine Industrie Marionette. Gefüllt mit Nougat, na danke!
Komm her, ich werfe die Flasche gegen die wand. Es gibt einen braunen Fleck.
Ja an Weihnachten darf jeder Drang zur Ordnung vergessen werden und doch geht es in den Wohnzimmern wohl gesitteter zu, als an sonst einem Tag. Der neue DVD Player steht neben dem ferngesteuerten Auto vom Sohnemann und daneben steht die Plastik Kollektion, obwohl ja eigentlich alles aus Plastik ist an diesem Tag, oder?
Lichterketten, Tannenbäume, Zimtsterne?
Dass ich nicht lache - pille palle.

In amerikanischen Supermärkten werden Kopien von mir mit aufgeklebtem Bart und Mütze präsentiert, die den Verkauf des Marktes noch erhöhen sollen.
Rauben die Menschen allem den eigentlichen Sinn?
Weder ich noch Jesus hatten so was und wollten es auch nie. Denkt doch mal nach! Glitzer, Plastik Geld. Liebe, Freundschaft, Hilfe.
Weihnachten das bedeutet Hektik.
Hass im Supermarkt, Neid in der Nachbarschaft. Stress in den Familien, Streit in der Partnerschaft. Weil es zu eng gesehen wird.
Die Macht Auszubrechen, die sinnlosen Rituale zu überwinden, ging den Menschen verloren! Die, die es zwanghaft versuchen werden mit bösen Blicken und Kommentaren bestraft. Tag für Tag bis zum 26., dann wird dem Spuk ein Ende bereitet. Die, die alleine sind fühlen sich an Weihnachten noch viel mehr im Stich gelassen. Hätten Schulen am 24. Dezember noch auf, würde es einen kollektiven Amoklauf geben.
Der Trubel um mich und um das Fest wird noch mit einem weiteren Brauch vertieft, über den sich Bürgermeister der Städte sehr freuen: Der Weihnachtsmarkt. „Glühwein für alle", schrei ich, damit man das Desaster ertragen kann. Ich bestelle noch eine große Tüte Maronen und hau dann auf den Putz. Aber nicht zu lange, denn ich hab ja einen Job. Am 24. müssen alle kleinen Rotzlöffel, Punker, Huren, Bonzen, Politiker und andere Kreaturen ihr kleines Weihnachtswunder erleben.
Enjoy it!
Ich beeil mich, damit ich dann, wie tausend andere allein stehende junge Männer, mir ein wichsen kann auf das Weihnachtspezial auf dem Erotik Sender meiner Wahl.
Www.verfickteweihnachten.de .
Im diesen sinne spritzige Grüße.
Ho Ho Ho.
Life is easy.

Kleine anmerkung:
Ich danke der Alice ganz doll das sie die Geschichte überarbeitet hat.

Danke kleines.....
25.12.06 13:02
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ΞĻ CФmmandante (5.4.07 05:03)
hallo alter kafkaianer...wie gehts dir so....was liest du gerade?
schreib mir doch ein kurzes mail----prost

professor.schiel@inode.at

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